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Mittwoch, 25. November 2015

Aus dem Leben einer Aushilfe, Teil 2



Einige Kunden habe ich euch schon im ersten teil vorgestellt...aber der Wahnsinn ist noch lange nicht zuende! Vorhang auf für den zweiten Teil "aus dem Leben einer Aushilfe in einer Bäckerei"!

 Teil 1: http://caryas-gedankengarten.blogspot.de/2014/09/aus-dem-leben-einer-aushilfe-teil-1.html

Der Kopfrechner:
Kunde: "….ich will das und das und das und das…wieviel macht das? Rechnen Sie das mal schnell ihm Kopf aus!"
Ich: "…ich tipp das jetzt ein, bitte haben Sie einen Moment Geduld.."
Kunde bekommt seinen Kram und sein Wechselgeld, lässt mich danach nochmal alle Preise aufzählen und zusammenrechnen.
Kunde:"…Tja, sie könnens ja doch! Sind also doch nicht ganz blöd!"

Zum Thema "umsonst haben wollen".
Kunde: "Schenken Sie mir een Stück Kuchen?"
Ich: "Nein, tut mir leid, das darf ich nicht einfach so. Am Ende stimmt dann die Kasse nicht und die gesamte Belegschaft kriegt Ärger."
Kunde: "Päh, ich kauf eh viel lieber beim Mühlenbäcker als bei Ihnen! Schmeckt eh alles nicht!"

Und noch eine:

Kundin (kauft eine überbackene Laugenstange und fragt NACH dem bezahlen):" Kostet die echt 1,45€?!"
Ich: "Ja, ich kann Ihnen gerne den Bon ausdrucken…"
Kundin: "In ihrem überteuerten Laden kauf ich nie wieder was!"

Kundin: "Haben Sie auch das große Frankenbrot?"
Ich: "Nein, tut mir leid. Aber Sie können gerne zwei Kleine bekommen?"
Kundin: "Ihre Kollegin hat das immer! Versteh gar nicht, warum sie Sie hier arbeiten lassen!"


Man will natürlich nicht immer den Kunden etwas Böses. Das erledigen sie manchmal ganz alleine:

Kundin (winzige, ältere Dame, schwerhörig und mit riesigen Brillengläsern): "Jaa, ich nehme ein schönes Stück Kuchen…was ist in dem hier? Aha…und der hier? Was ist das für einer? So….und dieser hier, sind das Himbeere…ja…der schickt wohl, packen Sie das ein. Wissen Sie, mein Arzt sagt, meine Zuckerwerte sind nicht gut...ich habe  Zuckerkrankheit, wissen Sie…jaa, und der Arzt sagt, ein Stückchen Kuchen wird’s nicht schlimmer machen, alles mit Maß und Ziel, wie man so schön sagt, jaaa…mein Mann, Gott hab ihn selig, hat das auch immer gesagt, jaja…das Stückchen Zupfkuchen auch einpacken bitte.. Jaa, der Arzt, da geh ich ja immer zum Weber, am Rudolphsplatz, netter Mann, jaa..sehr angenehm, jaaa…geben Sie mir auch noch das Puddingteilchen, bitte. Und jetzt …wie viel hab ich denn? Das Himbeer, der Zupfkuchen, das Teilchen.. jaaa…das schickt.  Nicht zu viel, und nicht zu wenig, jaa..das schickt mir wohl. Das wird recht sein, mit dem Zucker, jaja, wird wohl recht sein, ein bisschen darf man ja, jajaa, das hat mein Herman, Gott hab ihn selig, auch gesagt..ja..und der Weber auch..jaja. Alles mit Maß, jaja, Fräulein, alles mit Maß und Ziel."

Bäckereien sind aber auch ohne merkwürdige Diäten gefährliche Orte: Man weiß sie, ob der nächste Attentäter nicht schon hinter den Tresen lauert:
Kunde bestellt Latte Macciato, ich mach noch ein bisschen extra-Schaum obendrauf.
Kunde: "Ich hab GENAU gesehen, wie sie da noch einen Knopf zusätzlich gedrückt haben! Was haben Sie mir da reingemischt, he?! Den kauf ich jedenfalls nicht!".

Oder Wespen, noch schlimmer
Typ, Ende 60, mit Lederkleidung und Goldkettchen angetan, Tusse, High Heels, Leo-Look, stark geschminkt und behangen wie ein Weihnachtsbaum.
Typ: "Bunny und ich nehmen einen Amerikaner…saß auf dem schon eine Wespe drauf? Aha…und auf dem? Wie viele Wespen? Nee, ich möchte da keins, da weiß man nicht, ob da nicht vielleicht doch mehr drauf gesessen habe…da musste doch drauf achten!"

Andere Kundin:
Kundin: "…..und könnten Sie bitte mal die Wespen fangen und rausetzen?!"
 
Ähm. Ja. Ich werd dafür bezahlt, Wespen zu zählen und herum zu tragen.


Aber längst nicht alle Kunden sind so unfreundlich. Es gibt auch die, die einfach die Welt ein Stückchen besser machen wollen:
Vorgeschichte: mein zweiter Tag in der Filiale, es gab ein Angebot für drei Käsebrötchen, dass ich vergessen habe, in die Kasse ein zu geben:

Kundin: "Entschuldigen Sie bitte…ich habe das Angebot für 1,99€ wahrgenommen, aber Sie habe mir trotzdem 2,02 € berechnet...?"
Ich: "Es tut mir sehr leid, ich bin noch nicht lange hier. Ich mach gleich die Kasse auf und zahle Ihnen die 3 Cent aus."
Kunden: "Nein, das möchte ich nicht. Ich möchte Sie nur auf Ihren Fehler aufmerksam machen, damit sie drüber nachdenken, ihn einsehen, sich entschuldigen und in Zukunft besser arbeiten werden. Einen schönen Tag noch."

Ich hab drüber nachgedacht, es eingesehen und es in Zukunft besser gemacht. Nur die Zeit für eine Entschuldigung hat mit die Kundin nicht gelassen.

Es kann übrigens auch sein, dass das Wechselgeld richtig ist…das zurückgegebene Geld aber vollkommen falsch.

Kundin bekommt 5ct zurück und betrachtet diese unglücklich.
Kundin: "….kann ich vielleicht ein anderes bekommen?"
Ich: "Öhm…klar..was stimmt denn mit dem nicht?
Kundin: " Das ist schon so angelaufen.. so braun..sieht gar nicht mehr neu aus."
Ich: "Ich fürchte, die in der Kasse sehen alle so aus, tut mir leid."
Kundin: "Kann ich dann vielleicht kleinere Münzen bekommen, wenn die mehr glänzen?"

Am Ende hat die Kundin 5 glänzende 1ct-Münzen und alle waren glücklich.

Dienstag, 27. Oktober 2015

Die Macht der Gewohnheit

Vor einem halben Jahr hätte ich nie gedacht,dass ich mal so weit komme.

Ein Mann starrt gen Himmel und läuft im Kreis

Ich bin ruhig.

Ein Mann bricht zusammen und krampft.

Ich bin ruhig. Und wähle die 112.

Ein Mann hat Schaum vor dem Mund und liegt ganz still da.

Und ich bin ruhig. Und prüfe die Atmung, drehe ihn auf die Seite,  decke ihn mit meinem Mantel zu.

Der Mann kommt zu sich, er stinkt nach Alkohol und murmelt leise russische Worte. Ich rede ihm gut zu, fühle den Puls, wir warten auf den Rettungsdienst.
Rettungsdienst kommt, ich gehe.


Bei dem ersten epileptischen Anfall, den ich erlebt habe, stand ich stocksteif in der Gegend herum und war nicht in der Lage, irgendeine sinnvolle Tätigkeit aus zu führen. Beim zweiten epileptischen Anfall war ich zwar aufgeregt, aber immerhin nützlich.
Aber letzten Samstag war ich vollkommen entspannt, und effektiver denn je.

Ich mag die Gewohnheit.


Sonntag, 11. Oktober 2015

Warum in meiner Identität ein Stückchen fehlt.

Identität ist wichtig. Ohne eine Identität weiß man nicht, wer man ist, woher man kommt und wo man hinwill.

Es gibt verschiedene Ankerpunkte für die Identität, eine davon ist die Zugehörigkeit zu bestimmten Gruppen, z.B. die Gruppe der Frauen, die Gruppe der Schalke-Fans, die Gruppe der Gangster-Rap Hörer, oder eben auch die Gruppe der Deutschen, der Franzosen oder der Engländer. Letzteres ist die kulturelle Identität.

Ich dachte lange Zeit, ich sei ein Teil der Gruppe der Deutschen. Nicht, dass es besser oder schlechter als andere Gruppen wäre, aber es war einfach identitätstechnisch ganz schön, irgendwo dazu zu gehören. Man wusste, für wen man bei der WM jubeln soll, man konnte Kartoffelsalat und Sauerkraut problemlos lieben und man musste eigentlich nicht viel drüber nachdenken.

Aber Deutsche sind nunmal Deutsche und als solche seeeehr sensibel gegenüber Leuten, die nicht wahnsinnig deutsch aussehen. Deutschland, da war ja Hitler, und deswegen muss die Gruppe der Deutschen jederzeit demonstrieren, dass sie nicht rassistisch ist, sondern eine freundliche Willkommenskultur gebildet hat.

Und wer bietet sich da als Demonstrationsobjekt besser an als eine freundliche, junge Frau, der man den Migrationshintergrund deutlich auf der milchkaffeefarbenen Stirn geschrieben sieht?

Einige linke Meckertanten würden jetzt schreieen, dass die lieben Versuche, mich kulturell willkommen zu heißen, schön langsam und deutlich  für mich zu sprechen und mit mir Gespräche über mein Heimatland an zu knüpfen, bösartig seien (ich glaube, man nennt das "benevolenten Rassismus") und dass dies energisch bekämpft gehöre.
Benevolent ist dieses Verhalten auf jeden Fall, rassistisch vielleicht auch, aber ich nehme das nicht als negativ war. Eigentlich freut mich die Rücksichtsnahme und das Interesse, dass so demonstriert wird.

Nur: leider habe ich außer Deutschland kein Heimatland. Ich bin Migrantin 3. Generation und habe das Land, aus dem mein Großvater emigriert ist, niemals gesehen. Deutsch ist meine Muttersprache, alles, was ich sonst noch spreche hat mir die Schule beigebracht.
So tut es mir fast schon leid, wenn ich auf die Frage, wo ich herkomme, erst mit einer deutschen Stadt, dann mit "ja, schon immer", "Ja, meine Eltern auch." antworten muss und mein interessierter Gegenüber peinlich berührt zu Boden schaut.

Kann ich Teil einer Gruppe sein, die mich nicht als Teil wahrnimmt (wie wohl auch als ein positiver Nicht-Teil, den man gerne integrieren würde)? Kann ich mich in eine Identitätsgruppe hineinargumentieren? Und wenn nein, was mach ich dann? Meine eigene Identität bilden? Die Identität der "Viertel-Inder-in-Deutschland"?
 Macht sowas überhaupt Sinn, kulturelle Viertel-Inter Identität ohne Gruppe oder spezifische Kultur?

Ich weiß es nicht.

Dienstag, 6. Oktober 2015

Filme 1: zu Unrecht unbekannt

Mein Mitbewohner ist das, was man einen Filmfreak nennt. Nicht nur, dass er haufenweise Regisseure, Schauspieler und Produzenten samt wichtigster Daten und Werke im Kopf hat, nein, er interpretiert auch noch jeden Film auf Herz und Nieren, und das auch noch extrem gut.

Wer mal reingucken will: http://mitternachtserwachen.blogspot.de/

Der Mitbewohner sagte mir in einem schwachen Moment, dass ich in Filmdingen mit ihm "nicht kogntitiv auf einer Ebene" sei.

Ich teile hier trotzdem drei meiner Lieblingsfilme:



"The Lunchbox" von  Ritesh Batra: Ein indischer Film, dankenswerterweise mit absolut normalen Mittelschichtsndern, die ein absolut normales Leben in Mumbai führen. Die junge Mutter Ila kocht jeden Tag Mittagsessen für ihren Mann, welches indientypisch von Dabbawalas geliefert wird. Im Hinduismus können die Ernährungsvorschriften relativ strik und unterschiedlich ausgeprägt sein, weswegen ein normaler Kantinenbetrieb sehr schwierig wäre. Dabbawalas holen das Essen daheim oder von einem Restaurant ab und transportieren es in einem komplizierten wie perfekten System zum fleißigen Arbeitnehmer. Doch manchmal hat auch das perfekteste Systen einen Fehler...und Ilas liebevoll gekochten Mahlzeiten landen nicht bei ihrem gefühlsarmen und desinteressierten Ehemann, sondern bei dem Bald- Renter und Witwer Sajaan Fernandes. Es beginnt ein kulinarischer und gedanklicher Austausch zwischen zwei Menschen, die sich entscheiden müssen, wie ihr Leben weitergehen soll.

Der Kauf der DVD lohnt sich übrigens gleich zweifach: erstens enthält das Booklet interessante Infos über das Dabbawala-System und zweitens werden die im Film erwähnten Rezepte gleich mitgeliefert...Mjam!






The Fall von Tarsem Singh: anderer Inder, anderer Film. "The Fall" verbindet den Alltag in einem amerikanischen Krankenhaus im Jahre des Heils 1920 mit einer fanastischen Geschichte, die verunfallte Stuntman Roy dem ebenfalls verletzten Mädchen Alexandria erzählt, dem Kind einer osteuropäischen Wandererntehelferin. Roy hat nicht nur mit seiner Querschnittslähmung, sondern auch mit Suizidgedanken zu kämpfen, und die naive Alexandria, die sich so leicht mit Geschichten von Helden und Prinzessinnen beeinflussen lässt, soll ihm bei der Umsetzung dieser Gedanken behilflich sein. Und so beginnen die Grenzen zwischen Realität und Fantasie zu verschwimmen.
"The Fall" ist bild- und musikgewaltig, beeindruckt durch das unglaublich natürliche Schauspiel der kleinen Catinca Untaru (die wohl tatsächlich sehr wenig gespielt hat; so glaubte sie die komplettenDreharbeiten wirklich, dass Lee Pace gelähmt sei) und durch die zwei Erzählebenen, alles durch den Filter der Gefühle und des Verständnis von Alexandria.

Man kann diesen Film kaum beschreiben, man muss ihn sehen.


Imaginaerum von Stobe Harju: Jaja, es ist eigentlich Imaginaerum by Nightwish-Band, aber soo wichtig ist der Trupp für den Film auch nicht. Sie hüpfen hin und da durchs Bild und sorgen für einen ziemlich guten Soundtrack, aber das wars dann auch.
Der Film erzählt die Geschichte des sterbenden, dementen Musikers Thomas Whitman. Seine Tochter Gem hat sich vor Jahren von ihrem Vater entfremdet, eilt aber trotzdem an sein Krankenbett, als das Ende naht. Thomas Geist irrt durch eine dementiell-verwirrte Kindheitswelt und sucht, was er verloren hat, während Gem im Elternhaus mit einer alten Freundin des Vaters die Scherben zusammensetzt.

Ich hatte beruflich in letzter Zeit viel mit Demenzkranken zu tun und vielleicht berührt er mich deswegen so sehr, dass ich über schlechte Effekte und nicht-immer-ganz-tolle Schauspieler hinweg sehen kann. Vielleicht können andere das auch.



Mittwoch, 16. September 2015

Möhren & Monster: Rune Factory für Nintendo ds


Ich wache morgens auf, gieße meine Pflanzen, pflege meine Hausmonster und ziehe dann durchs Tor hinaus, um die Welt zu retten. Nachdem ich einige Drachen, Geister und Schäfchen besiegt habe, bringe ich der Dame meines Herzens eine Blume dar und lege mich ins Bett...nachdem ich nochmal meinen Kürbis fürs Erntefest gedüngt habe.

Klingt wie Harvest Moon mit Monstern? Genaus so ist es :D

Die Rune Factory Reihe kombiniert die Idee von Harvest Moon (Farm, Nachbarn, Wettbewerbe) und das klassische "in Dungeons gehen und Welt retten"- Prinzip. Dabei sind Grafik und Gameplay sehr viel ansprechender und erwachsener als in HM. Besonders der vierte Teil hält kniffelige Bosse und eine Reihe "Geheimnisse" bereit, die man meist nur durch Zufall lüften kann.

Die Spiele beginnen alle gleich: Man fällt mehr oder weniger vom Himmel und wacht schwach und ohne Gedächntis auf (Gothic lässt grüßen), wird von einem hübschen Mädchen aufgegabelt und auf einen Bauernhof verpflanzt. In der 2. Hälfte des zweiten Teils und im kompletten vierten Teil kann man das Spiel übrigens auch als weiblicher Charakter spielen und die Herren des Dorfes umgarnen. 

Im Laufe des Endlos-Spiels begärtnert man seine Felder, nimmt an Festivitäten teil,schmiedet Waffen und Werkzeuge, pflegt seine Beziehung zu den Dörflern indem man mit ihnen interagiert und Missionen erfüllt, erweitert Haus & Hof und gründet eine Familie.  Nebenbei turnt man durch schön gestaltete Dungeons und rettet das Dorf vor dem bösen Königreich/bösem Drachen / dem generellen Untergang. Im dritten Teil steht dem Spieler sogar interkulturelle Konfliktmediation bevor...

RF 4 hat mich über 110 Stunden beschäftigt, bis ich die Haupthandlung abgeschlossen hatte- man sieht, der Kauf lohnt sich! Ich empfehle das Spiel für Spieler, denen Harvest Moon zu kindisch und Xenoblade Chronicles zu sehr "herumrennen, Schwert schwingen, Monster töten" ist.

Die Teile 1-3 sind für den Nintendo ds, der 4. Teil für den 3ds entwickelt worden. Zusätzlich kann man Rune Factory Frontier auf der Wii und Rune Factory Oceans (auch Tides of Destiny) auf der PS 3 genießen.



Mittwoch, 22. April 2015

Komparse sein- wie, wo, was

Ich hatte im Oktober letzten Jahres etwas zu viel Zeit und etwas zu wenig Geld- da kam ein Aufruf, dass für eine ARD-Produktion Komparsen gesucht werden, grade recht!

Wie kommt man da dran?

Die Anzeige entdeckte ich auf der facebookseite der Lokalzeitung und die Bewerbung ging auch recht fix: ich sollte neben zwei Fotos mein Alter, meine eventuellen Erfahrungen im Filmdreh und meine Verfügbarkeit im Drehzeitraum angeben.
Die Rückmeldung mit den einzelnen Drehterminen, für die ich vorgesehen war, kam postwendend und dann gings auch schon los!

Ich war für zwei halbe, und einen ganzen Drehtag vorgesehen, doch ich sollte bald merken, dass "halber" Drehtag etwa doppelt so lange ist, wie es sich anhört.

Ich bin dabei- juchuu!

Die Uhrzeiten und die Outfits bekommt man immer am Abend vor dem Dreh mitgeteilt- und ja, das ist so kurzfristig, wie es sich anhört. Mein erster Drehtag startete um 6 Uhr morgens im "Alltagsoutfit", das weder auffällige Muster, noch knallige Farben oder zu viel schwarz beinhalten sollte. Spannend wurde es am 3. Tag, an dem ich spontan in Abendgarderobe aufkreuzen solle...

Man quält sich aus dem Bett, wandert los, nur um bei der Ankunft gleich in einen Komparsenraum verfrachtet zu werden. Dort tut man vor allem eins: man wartet. An dem ersten Tag haben wir ca. 2,5 Stunden gewartet, bis überhaupt irgendetwas passierte. Immerhin gabs Kaffee, Tee und Brötchen! Zwischendurch tauchte eine Dame auf, die unsere Outfits inspizierte. Wir sollten darüber hinaus leise sein, uns zum Toilette-gehen abmelden und auf gar keinen Fall die Filmcrew anquatschen. Immerhin habe ich schnell ein paar nette Mädels kennen gelernt.

An den anderen Drehtagen betrug die Wartezeit auch mal 4 Stunden am Stück, dann 10 Minuten drehen, wieder 2 Stunden warten...gewartet wird viel.

Meine Packtipps für dem Komparsenraum: ne Flasche Wasser, Handy und Ladegerät und ein paar Kartenspiele.

Irgendwann wurden wir dann in 3 Gruppen eingeteilt, und mussten dann, wenn unsere Gruppe aufgerufen wurde, in einen Hörsaal spazieren, uns hinsetzen und Studenten sein. Die Szene bestand aus kaum 10 Sätzen,würde aber gefühlt hundertmal gefilmt und geprobt.

Nach 7 Stunden war es geschafft, der "halbe" Drehtag war vorbei. Und bevor jemand fragt: ein ganzer Drehtag geht etwa 12-13 Stunden.

Die anderen Tage verliefen ähnlich: ankommen, warten,sich aufstellen, wieder warten, ein Tablett tragen, warten, sich alle hinsetzen und Hintergrundgeräusche produzieren, warten, hinsetzen und leise sein..
 Letzteres war besonders anstrengend, als wir eine Szene gedreht haben, in der wir essen sollten. Wir sollten zwar "richtig" essen, aber nicht zu viel, und dabei möglichst kein Geräusch von uns geben, aber authentisch aussehen. Zwischendurch wurden wir, je nach Kamerawinkeln , in andere Ecken des Raumes verteilt. Am Ende war das Essen kalt und mir war schlecht :D

Was hab ich jetzt davon?

Also die Bezahlung, naja. 25€ für einen halben Drehtag, und 40€ für einen ganzen Tag. Das darf man eigentlich gar nicht auf die Stunden herunterrechnen, sonst weint man.
Aber es war eine spannende Erfahrung, und man hat eine Menge Einblicke in die Arbeit eines professionelles Teams bekommen. Ich weiß nicht, ob ichs nochmal machen würde, aber das eine Mal wars wert.

Jetzt bleibt nur noch zu hoffen, dass ich in dem fertigen Streifen irgendwo zu sehen bin :D

Mittwoch, 8. April 2015

Bücher 2014



Jetzt habe ich das ganze Jahr aufgelistet, welche Bücher ich gelesen habe. Diese Mühe ist Grund genug, auch mal was zu den Werken zu sagen. Die wirklichen Meisterwerke sind rot markiert.

Jane Corry: Perlentöchter
Schöner, leichter Roman für den Urlaub oder für zwischendurch. Es wird die Geschichte der Frauen einer Familie erzählt, und die einer Perlenkette, die von einer Generation an die nächste weiter gegeben wird. Das Ende fand ich etwas an-den-Haaren-herbeigezogen, aber der Roman ist sonst wirklich gut und bietet schöne Einblicke in das Leben einer Frau in den verschiedenen Epochen.

Michaele Huber: Multiple Persönlichkeiten: Überlebende extremer Gewalt. Ein Handbuch
Keine leichte Kost. Gar keine leichte Kost. Wie der Titel schon sagt, geht es um Menschen mit einer multiplen dissoziativen Persönlichkeitsstörung und darum, wie man an eine solche kommt. Ich habe das dieses Buch gelesen mit einer Mischung aus Schrecken, Zweifel ("Sowas kann doch gar nicht passieren, sowas tut doch kein Mensch, sowas existiert doch gar nicht in unserer Gesellschaft.") und dem leisen Bewusstsein, dass der Horror vermutlich doch existiert. Systematischer, sektenähnlicher Kindesmissbrauch, der durchaus auch tödlich enden kann. Kritisch an dem Buch finde ich, dass teilweise recht genaue "Anleitungen" gegeben werden, wie man Menschen gefügig macht und unterdrückt. Gesunde Menschen sind davon höchstens angewidert und geschockt, aber ich kann mir vorstellen, dass für gestörte Menschen dieses Buch eine nützliche Inspirationsquelle darstellen kann.

 
Borwin Bandelow: Wer hat Angst vorm Bösen Mann? 
Ein Buch, dass verschiedene Serien- und Massenmörder portraitiert. Interessant geschrieben, stellenweise natürlich absolut schockierend, aber für meinen Geschmack etwas zu populärwissenschaftlich. Wer wenig Ahnung von Psychologie hat, aber sich für sowas interessiert, dem kann ich es uneingeschränkt empfehlen. Wer, wie ich, etwas mehr Vorwissen hat, wird eher enttäuscht sein.

Ella Griffin: An und für dich 
Dieses Buch hab ich mir von einer Mitreisenden im Fernbus ausgeliehen und einen wahren Leserekord aufgestellt, um es rechtzeitig fertig zu bekommen. So belanglos die Liebesgeschichte (ich habe, ehrlich gesagt, jetzt schon vergessen, wer wie warum mit wem...) auch anfängt, irgendwie will man ab einem gewissen Punkt doch wissen, wie es ausgeht (gut natürlich). Kein Meisterwerk der Literatur, aber perfekt für lange Reisen und wenn man das Gehirn mal auf Sparflamme schalten will.

Sabine Ebert: 1813 
Ich mag die "Hebammen- Reihe" ganz gerne (Stichwort: Gehirn abschalten), aber an diesem Buch bin ich grandios gescheitert. Irgendwann bin ich mit all den Namen, Orten, Intrigen und Affairen so durcheinander gekommen, dass ich nicht mehr ein noch aus wusste. Außerdem gibt es nicht mal eine hirnlose Romanze, wie der Klappentext verspricht, sondern seitenweise Politik. Wäre die Autorin mal lieber bei dem Hebammen-Rezept (Liebes- und Sexleben einer wunderschönen und herzensguten Protagonistin, geleitet vom Schicksal und bedroht vom Bösewicht) geblieben, denn hier fällt leider auf, dass sie keine sonderlich gute Schreiberin ist und eigentlich nur mit großen Namen um sich wirft.

Shaun Tan: The Arrival 
Eine wunderbare Graphic Novel, die ganz ohne Worte auskommt. Klingt unmöglich? Ist es aber nicht. Dieses Buch ist sensibel, poetisch und vor allem für jeden verständlich. Jeder kennt das Gefühl des neu-ankommens, nichts-verstehens, heimat-vermissens und neues-aufbauens.
Ein Juwel, der so viel weniger bekannt ist, als er es verdient.

Juan Diaz Canales: Blacksad 1-5 
Wieder eine Graphic Novel, die die Abenteuer der Detektivkatze Blacksad erzählt. Mehr was für Erwachsene und Jugendliche als für Kinder. Spannend, humorvoll und irgendwie auch tragisch-nachdenklich.

Lucy Maud Montgomery: sämtliches aus der Anne-mit-den-roten-Haaren-Reihe 
Beste Kinderbuchreihe überhaupt! Epochentypisch mit viel Herz, Moral und einem etwas veralteten Weltbild, aber wen störts? Mich nicht :D
 
Hua-Ling Hu: The Undaunted Women of Nanking: The Wartime Diaries of Minnie Vautrin and Tsen Shui-Fang 
Ich merke grade, dass ich entweder extrem kitschige oder extrem grausame Sachen lese..hier wieder ein Beispiel aus der letzten Kategorie. Anhand der Tagebücher von Minnie Vautrin und Tsen Shui-Fang werden die Besetzung Nankings durch die japanische Armee und die  dort verübten Massaker rekonstruiert. Minnie Vautrin versucht, so viele Menschen wie möglich zu retten (ähnlich wie John Rabe) und wird, genau wie er, im Nachhinein vergessen. Sie begeht Selbstmord, wohl aus Schuldgefühlen denjenigen gegenüber, die sie nicht hat retten können. Menschen wie sie sollten uns allen im Gedächtnis bleiben für ihren Mut und ihre Stärke- diese beiden Frauen bliebenund halfen, als andere rannten.
John Milton: Paradise Lost & Paradise regained
Ein Klassiker, mehr muss man nicht sagen. Aber ich werde so schnell nichts mehr in Gedichtform lesen, so viel ist klar.

Christoph Marzi: Fünf Tage im April 
Über Christoph Marzi habe ich mich ja in einem anderen Post schon intensiv ausgelassen, und dem ist kaum etwas hin zu zufügen. "5 Tage im April" ist okay, bisschen sehr kitschig, aber nichts gegen seine "Uralte Metropole"- Reihe. 

 Michel Houellebecq: Elementarteilchen
Schonungsloser Roman über zwei Brüder, die auf ihre eigene Weise ihr Leben...leben, scheitern, vertrinken, vervögeln. Sexuelle Freiheit, Mütter und Kinder und die Spuren der Zeit vereinigen sich zu einem provokanten und gleichzeitig berührendem Gesellschaftsbild.


Colin Dann: Als die Tiere den Wald verließen 1+2 
Schöne Kinderbücher über Tiere (auch die "ekligen" Kröten und Schlangen), Naturschutz und Zusammenhalt. War ein Zufallsfund in einer Verschenke-Kiste, und die Lesezeit wert.

Libba Bray: Der geheime Zirkel 1-3 
Super-duper Reihe! Für Fans von Legenden, Mythen und für alle, die das Gefühl haben, dass sie eigentlich 1890 leben müssten. Die junge Gemma kommt nach dem mysteriösen Tod ihrer Mutter auf eine "Schule für höhere Töchter" und entdeckt, dass sie Visionen hat..und eine Art Parallelwelt betreten kann. Was schön kitschig werden könnte, wird dank der ambivalenten Figuren und der gar-nicht-so-märchenhaften-Legendenwelt nacht-durchlese-spannend, und lässt die Leserin lachen, weinen und vor allem: denken.

Shane-Michael Vidaurri: Iron- Or the War after 
Eine beeindruckende Graphic Novel über das Regime und die Rebellen und ihre Kinder. Nach einem Krieg, von dem nicht mal gesagt wird, worum es eigentlich ging, kämpfen sie für Ziele, die ihnen selbst nicht mehr klar sind. Niemand ist gut, niemand ist böse, jeder ist einfach noch müde. Auch der Wolf, der mit dem Hasen aus dem unterträglichen Schweigen der Erwachsenen und den nicht-mündigen, aber nicht weniger grausamen Spiel der Kinder ausbrechen wollte, ist müde. Und erfriert im Schnee.
 

Thomas Mann: Die Buddenbrooks 
Wunderbar leicht-liebevoll-ironisch, die Lebensgeschichte der Antonie Buddenbrook, die so sehr alles richtig für die Familie machen will, so sehr scheitert, und so sehr glücklich bleibt. 
Der Niedergang einer Familie ist zeitlos, humorvoll, und für Thomas Manns Verhältnisse auch gut und leicht zu lesen. Viele sind genervt von seinen endlosen Schilderungen, aber ich mag sie. Wenn ich einmal im Buddenbrookhaus in Lübeck sein würde, ich könnte mich mit geschlossenen Augen zurechtfinden und an jedem Ort eine Erinnerung haben- so, als gehöre ich selbst zur Familie.
Theodor Fontane: Effi Briest
Effi, mein alter ego in der Literatur. Wir versuchen, uns an zu passen, alles richtig zu machen, zu tun, was man tut. Und wir fühlen uns okay dabei-nicht wirklich glücklich, aber wir sind in Ordnung. Doch manchmal brechen wir aus, und dafür werden wir bestraft. Einsam fragen wir uns dann, wenn wir zu den Sternen hinaufsehen, nachts, in der Kälte, ob dieser Moment der Seligkeit die Konsequenzen wert war. Und wir wissen es nicht zu sagen.
 
Ha Jin: Nanking Requiem
Wieder ein Buch über die Massaker von Nanking, das quasi das Tagebuch der Minnie Vautrin in Romanform wiedergibt. Ich habe das Buch von meinem Vater zum Geburtstag geschenkt bekommen, und sage aus tiefstem Herzen und mit dem Schock noch in den Knochen: Danke Papa, dass du mir so etwas schenkst, und nicht irgendeinen belanglosen Frauenroman. Danke, dass du mich ernst nimmst, danke, dass du meinen Horizont erweiterst.

Else Hueck-Dehio: Tante Tüttchen, Taft zum Kragen, Tipsy´s sonderliche Liebesgeschichte
Drei Kurzgeschichten aus dem Estland um die Jahrhundertwende. Schreibstil ähnlich wie bei den Buddenbrooks, genau das, was ich liebe. Man kann drüber nachdenken, und das wären gar nicht mal dumme Gedanken, oder man kann sich hineinfühlen und entführen lassen in die Welt von vor 100 Jahren, und herzlich lachen, wenn Tipsy in ihrer ersten großen Ballnacht ihr Tagebuch vergisst und mitten in der Nacht durchs Haus schleicht, um es zu holen, oder wenn der eifrige Pfarrer vor lauter Ehestreit seine Predigt vergisst.

Marzi: Heaven 
Schönes Buch, etwas vorhersehbar alles, die Charaktere wirken nett, aber etwas gezwungen..hat mir die Wartezeit auf das nächste Buch aus der Uralten Metropole versüßt, aber besagtes Buch könnte langsam mal erscheinen!

Jane K. Rowling- Harry Potter 1-7
Große Liebe meiner Kindheit- ich weiß noch, wie meine Mutter mir den 5. Band im Morgengrauen am Kölner Hauptbahnhof gekauft hat, denn sie konnte nicht ernsthaft von mir erwarten, dass ich nach Paris fahre, ohne den neuen Harry Potter in den Händen zu halten!
Charlaine Harris: Sookie Stackhouse Reihe
Sex, Blut, Vampire und eine Gesellschaft, die nicht halb so leicht in die Fantasy-Ecke schieben könnte, wie man es sich wünschen würde. Sehr viel besser als die bescheuerte TV-Adaption "True Blood"!

Marzi: Nimmermehr
Kurzgeschichtensammlung von Marzi- über dieses Buch habe ich schon in meinem Marzi-Post einiges geschrieben :)

Marzi: Lyra
Hier ebenso :D

Betty Mahmoody: nicht ohne meine Tochter
Musste ich einfach mal lesen..und ich weiß immer noch nicht, ob ich dem Buch oder der Videobotschaft des Vaters auf youtube glauben soll. Selten ist eine Schlammschlacht so sehr in der Öffentlichkeit ausgetragen worden.
Ich habe letztens ein Interview mit der Tochter gelesen, in dem sie schreibt, dass sie glücklich ist. Eigentlich reicht mir das zu wissen. 
Debbie Taylor: Ich bin so arm, so reich 
Hier werden verschiedene alleinerziehende Mütter rund um den Globus vorgestellt- von der hart arbeitenden Fabrikarbeiterin aus Asien über die von Aids und Familienangelegenheiten bedrohte Mutter aus Afrika bishin zu der modernen Frau aus Australien. Sehr interessant zu lesen, vor allem, wenn man eine glücklich kinderlose Studentin ist.

Samstag, 21. Februar 2015

Der schönste Platz der Welt


Es gibt viele schöne Orte auf der Welt. Für mich ist es dieser.

 Lieberweise bin ich zwei mal dorthin eingeladen worden, und ich werde es nie vergessen. Wir lagen unterm Himmel und haben Sternschnuppen gezählt, Milchstraße geguckt, sind in die Berge geklettert und haben Erdbeeren gepflückt, Pfefferminzsirup getrunken, bis uns schlecht war, kleine Häuser und große Hütten gebaut, gezeltet, vor Regen geflohen, Rehe mit dem Fernglas gestalkt.

Ich habe geatmet, gelebt und war frei.










Dienstag, 16. Dezember 2014

Seife gießen- bunter Spaß in Förmchen

In diesem Jahr habe ich (mal wieder) eine neue Freizeitbeschäftigung entdeckt: Seife gießen!
Es geht eigentlich ganz einfach: man braucht Gießseife, eine Form (z.B. Back- oder Pralinenformen aus Silikon, oder normale Seifengießformen aus Plastik), Lebensmittelfarbe und Duftöle. Wenn man will, kann man sich noch mit Blüten, Glitzer und anderen Kleinigkeiten austoben.

Seifenbadepralinen
Die Seife wird im Wasserbad oder in der Mikrowelle geschmolzen und dann in die Form gegossen. Dann etwas abwarten, die Seife aus der Form holen..und fertig!

Hier kommt eine kleine "Soapspiration", oder einfach: Carya gibt an ;)


Lavendelseife, Meeresseifen und Blütenseifen
Lavendel-Kokos-Seife

Gewürzseife
Namesseife


und nochmal Lavendel :D