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In jeder Gesellschaft gab und gibt es Gruppen, die von der Mehrheit abgelehnt, beschimpft, diskriminiert werden. Meist trifft es Menschen, die zu einer bestimmten Volksgruppe gehören, oder an etwas bestimmtes glauben.
Und obwohl wir immer wieder ernsthaft und feierlich darin übereinstimmen, dass diese Art von Gruppenhaft objektiv falsch und moralisch verwerflich ist, so tun wir es doch immer wieder.
Heute sind es auch die Christen, die diese Behandlung erfahren müssen. Und ich spreche an dieser Stelle nicht von den Suppressionen und Gewalttaten in fernen Ländern, sondern von der absolut salonfähigen diskriminierung von Christen hier- im aufgeklärten, weltoffenem Deutschland.
Ich bin eine zwanzigjährige Studentin, ich würde mich als offen, tolerant und halbwegs gebildet beschreiben. Ich bin weder homophob, noch rassistisch, halte viel von den Phänomenen der Wissenschaft und von Kondomen.
Und ich bin Christin.
Manchmal weiß ich nicht, ob ich bei den christenfeindlichen Bildern und Sprüchen, die mich täglich online und persönlich erreichen, wütend oder traurig werden soll. Ich spreche hier ausdrücklich nicht von Kirchenkritik oder Witzen, damit habe ich absolut kein Problem. Wütend, weil Menschen mit ihrem populistischem Halbwissen es nicht hinbekommen, zwischen "Religion" und "Glaube" (das, was aus einem selbst bzw. von Gott kommt) und Kirche (das, was die Menschen daraus gemacht haben) zu unterscheiden. Fehler der Kirche, und von denen gibt es wahrlich genug, sind keine Fehler der Religion an sich!
Wütend, weil das Fehlverhalten einiger Christen auf die Gesamtheit des Christentums generalisiert wird. Wenn ein Christ ein homophob motiviertes Verbrechen begeht, dann werden doch nicht sofort alle Christen dieser Welt einer "Ich hasse Schwule"- Gehirnwäsche unterzogen. Das solche Schlussfolgerunge nicht zutreffend sind, sollte sich jedem klar denkenden Menschen erschließen. Nicht alle Christen sind gegen Verhütung, Abtreibung, Frauen oder Homosexualität, nicht jeder Moslem schlägt seine Frau und lässt seine Tochter töten, wenn sie außerhalb der Religion heiratet, nicht jeder Satanist schleicht nachts auf dem Friedhof herum.
Wenn ihr umbedingt urteilen müsst, dann urteilt über den Menschen, der euch gegenüber steht!
Traurig, wenn ich von einer befreundeten Kommilitonin mir Sprüche à la "Alle Christen sind homophob und zurückgeblieben" anhören muss, während sie auf meinem Sofa sitzt und gemütlich meinen Tee trinkt.
Wie soll ich dir vertrauen, mit dir Spaß haben, mich auf dich einlassen, wenn ich weiß, dass du mich für das letzte Arschloch hälst?
Traurig, wenn ich auf der Seite eines anderen Psychologiestudenten Bilder sehe, in denen Christen als dumme und wissenschaftsphobe Menschen dargestellt werden.
Wie soll ich mit Dir zusammenarbeiten, wenn du mich doch eh für einen kognitiven Totalausfall hälst?
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| "auslachen" und "respektieren" schließt sich aus.. |
Wie soll ich da selbstbewusst und aufgeschlossen bleiben?
Wir glauben an tausend Dinge, für die wir keine handfesten Beweise haben: an die Liebe unseres Partners, an den Sinn im eigenen Tun und Leben, an wissenschaftliche Hypothesen.
Wir wissen, dass unsere Gesellschaft nur funktionieren kann, wenn man sich gegenseitig respektiert und voneinander lernt.
Warum könnt ihr mich nicht akzeptieren, so wie ich euch akzeptiere?
Wenn ich Menschen darauf anspreche, bekomme ich oft zu hören, dass ich eine gute Ausnahme von allen anderen sei. Das erinnert mich, offen gestanden, an folgendes Zitat von Himmler: "dass alle Juden selbstverständlich Schweine seien, dass bloß der Soundso ein anständiger Jude sei, dem man nichts tun dürfe".
Ich denke, wir wissen alle, wohin das geführt hat.
Manchmal wundern sich die Menschen auch, dass so eine wie ich Christin sein kann. Ich sei doch sozial engagiert, habe homosexuelle Freunde und hätte noch nie probiert, jemanden zu missionieren? Ja, auch solche Christen gibt es. Es gibt hilfsbereite Christen, weniger hilfsbereite Christen, freundliche Christen, unfreundliche Christen, so wie es in jeder Gruppe solche und solche gibt.
Ich möchte euch daher bitten: Äußert eure Meinung - aber bleibt respektvoll und sachlich.
Und bitte denkt daran, dass auch Christen Gefühle haben, die verletzt werden können.
Ich verlange nicht, dass ihr mehr tut, als ich für euch tue. Ich bitte euch nur, mich so zu behandeln, wie ihr von mir behandelt werdet.
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| mir kommt es oft eher umgekehrt vor.. |



Meine Liebe,
AntwortenLöschenich will mich zu zwei Punkten im Wesentlichen äußern. :)
Nummer Eins: "Diskriminierung" bzw. "Anfeindung"
Das Problem ist, dass nicht allein dem Christentum Anfeindungen entgegengebracht werden. Es ist häufig sehr einfach sämtliche Facetten einer Sache über den selben Kamm zu scheren. Ich für meinen Teil differenziere zwischen "Religion", "persönlichem Glauben" und "religiösen Institutionen".
Was jemand persönlich glaubt, ist dessen Belang.
Was eine Institution macht - gleich ob religiös oder nicht - ist eine öffentliche Angelegenheit.
So, wie man dem Christentum gewisse Kritikpunkte an den Kopf wirft, die sich überwiegend auf eben jene strengvoreingenommen Kirchenpersonen richten, gibt es ebenso Vorwürfe gegen alle anderen Glaubensrichtungen. Da muss jeder mit Vorurteilen kämpfen. Leider.
Es ist die Frage, was wir daraus machen: sind wir uns dessen bewusst? Wie gehen wir damit um? Und vor allem: Wie vielen Menschen begegnen wir mit Vorurteilen?
Ich möchte den Eindruck, denn du hast, nicht kleinreden. Wenn solche Äußerungen fallen, ist das immer verletzend. Aber ich möchte auf die Kehrseite der Medaille hinweisen. Es ist leider so, dass ich es häufig erleben muss, dass auf fast jeder Ebene Vorurteile vorherrschen. Wir sollten uns dessen bewusst sein, und darauf achten, wie wir alle damit umgehen. Und wenn jemand solche Sprüche bringt - dann kann man die Person freundlich darauf hinweisen, dass Verallgemeinerungen nicht gerade das sind, was förderlich für ein gemeinsames Miteinander ist. Kein Mensch ist einfach nur "Christ", "Jude" oder "Moslem". Jeder Mensch ist viel mehr als nur das.
Der zweite Punkt, zu dem ich mich äußern mag, ist das Zitat, das du anbringst. Ich glaube dich gut genug zu kennen, um zu wissen, welche Intention du damit verfolgst. Dennoch halte ich Herrn Himmler nicht gerade für zitierfähig, da es zwischen individuellen Vorurteilen und staatlicher Hetze meiner Meinung nach noch einen großen Unterschied gibt. - Dies aber nur als eine Randnotiz von mir als aufmerksamer Leserin.
Herzliche Grüße an dich. :)
Ehrlich gesagt, finde ich das Argument "andere leiden auch unter Vorurteilen" nicht besonders überzeugend..dann müsste man ja gar nicht mehr versuchen, irgendetwas zu ändern :/ Natürlich gibt es auch Christen, die sich anderen Menschen gegenüber schrecklich verhalten, aber ein Fehlverhalten rechtfertigt nicht das andere!
LöschenZu dem Zitat; die Situation ist natürlich nicht vergleichbar, aber ich sehe schon eine gewisse Hetze, die weit über einzelnde Vorurteile hinausgeht- man betrachte alleine die letzte Veranstaltung des religionskritischen Referates unserer Uni: "freier Eintritt mit Kirchenaustrittsbescheid". Oder anders gesagt: Andersdenkende nicht willkommen.