Heute möchte ich euch einen meiner Lieblingsautoren vorstellen, beziehungsweise seine Bücher.
Ich weiß gar nicht, wie ich an das erste Buch von Christoph Marzi gekommen bin- es war jedenfalls "Lycidas", der erste Band der bisher vier Bücher aus der "Uralte Metropole"- Reihe.
Mittlerweile habe ich noch einiges mehr gelesen, aber schön der Reihe nach:
Die Uralte Metropole: "Lycidas", "Lilith", "Lumen" und "Somnia"
Die drei "L"´s erzählen die Geschichte der Emily Laing- ein Waisenmädchen, das anders ist. Nicht "anders" im Sinne von den 08/15 Romanen, sondern so richtig, richtig anders. Sie spricht mit Ratten, liebt den Geruch alter Bücher, hat die Fähigkeit, die letzten Lebensmomente eines Toten nach zu empfinden, verliebt sich glücklich und unglücklich, tötet ihre beste Freundin, berührt das Herz ihres Mentors, vermisst ihre kleine Schwester und trägt einen Mondstein in ihrer linken Augenhöhle.Gemeinsam mit ihren Gefährten steigt sie in die Welt unter der Stadt hinab- die Metro, in der sich eine geheimnisvolle und nicht ganz ungefährliche Parallelwelt tummelt, die von allem bevölkert wird, was jemals in einer Sage, einem Märchen oder einem Lied vorkam.
Allen voran Lycidas, der gefallene Engel, und Lilith, die erste Frau von Adam, deren Pläne genauso verworren und undurchschaubar sind wie ihr Leben und ihre niemals endende und niemals erfüllbare Liebe.
"Somnia" erzählt die Geschichte der jungen Scarlet Hawthorne, die im eisigen New York von etwas angegriffen wird, was es eigentlich gar nicht geben düfrte. Hilflos und ohne jede Erinnerung strandet sie bei einer wunderlichen, aber machtvollen Dame und macht sich auf die Suche nach ihrer Identität und den Geheimnissen der New Yorker Unterwelt.
Marzi hat eine unglaublich mitreißende und bewegende Art zu schreiben- besonders, indem er durch redundante Formulierungen dem Geschehen einen Rahmen verleiht, es beschleunigt oder in Zeitlupe ablaufen lässt, ganz nach seinem Geschmack.
Aber das wirklich Wunderbare ist die Komplexität seiner Geschichten: Sämtliche Götter aus sämlichen Mythen der Welt werden in Dantes Hölle lebenig, während John Miltons Lycidas nach seiner Geliebten sucht, Emily in Manderley Manor herumirrt, Wittgenstein philosophiert und Sclarlet merkt, dass die Schicksale des Entdeckers John White, seiner Enkelin Viginina Dare und der auf geheimnisvolle Weise verschwundene Kolonie Roanoke untrennbar mit ihrem eigenen verknüpft sind.
Sicherlich habt ihr ein paar Namen erkannt, die anderen kann man googlen (hab ich mehr aus genug getan). Marzi verspinnt Realität und Fiktion auf eine so perfekte Weise, dass man kaum mehr weiß, was "wirklich" war und was nicht..oder war es vielleicht nie wirklich wahr, wie wir denken, wie es war?
Ich empfehle allen wärmstens, einen Blick auf Lycidas zu werfen und dann gemütlich die drei "L"s zu verschlingen. "Somnia" ist für wahre Fans eine schöne Ergänzung, aber reicht bei weitem nicht an die ersten drei Bücher heran.
"Fabula" und "Lyra"
Wir verlassen die Uralte Metropole und wenden uns den Brüdern Colin und Danny Darcy zu, in einer Welt, die aus Worten besteht, durch Worte am Leben erhalten kann und durch Worte zusammenfällt, in der Lüge und Wahrheit verwoben werden und ihre ganz eigene Realität bilden.
Im ersten Band steht Colin, der verantwortungsbewusste, unauffällige Colin Darcy muss nach Jahren der Abwesenheit in sein ungeliebtes Elternhaus - ein alter Landsitz im tiefsten Schottland- zurückkehren. Colin begibt sich, gemeinsam mit seiner Jugendliebe, auf die Suche nach seinem verschwundenen Bruder und nach seiner, ebenfalls verschwundenen und abgrundtief gehassten Mutter. Der Grund für das Verschwinden der Mutter ist unbekannt, der Grund für den Hass umso klarer: Helen Darcy erzählt Geschichten- Geschichten, die im Kopf der Menschen wahr werden.
Grausame Geschichten.
Das muss im zweiten Band auch Danny feststellen, denn kaum ist er wieder aufgetaucht, wird er von seiner schwangeren Frau, Sunny,verlassen. Die Lügenwahrheiten der Helen Darcy haben auch hier ihr Ziel gefunden. Danny und eine zunächst sehr skeptische Sunny machen sich auf, um in den Sümpfen und Wäldern von Missisiippi eine Antwort zu finden- und das geheimsvolle Maison Rouge zu finden, in dem ihnen geholfen werden soll. Die Zeit drängt, denn auch das ungeborene Kind träumt bereits die vergifteten, dunkelen Träume, die Helen Darcy präzise wie wirkungsvoll in den Köpfen platziert.
Auch hier- wunderbarer Sprachstil gekoppelt mit einer Fülle von Anspielungen. Das "Maison Rouge" ist beispielsweise in echt das Anwesen des Piraten Jean Lafitte gewesen. Trotz meiner Liebe zum Southern Gothic konnte mich "Lyra" nicht so sehr fesseln wie "Fabula". Liegt aber vielleicht an den vielen eingestreuten Songtexten- und Zeilen, die ich nicht zuzuordnen weiß. Für Bob Dylan Fans sicherlich das geeignete Futter.
"Heaven- Stadt der Feen"
David, einschlägig vorbestraft, will die Nase aus allem Ärger heraushalten. Zu seinem (Un-)Glück stolpert er über ein hübsches, im wahrsten Sinne des Wortes eiskaltes und panisches Mädchen, dass sich ihm als Heaven vorstellt und im selben Satz behauptet, man habe ihr das Herz heraus geschnitten. "Jaja", denkt sich David, bringt sie ins Krankenhaus und es zeigt sich: Das. Herz. fehlt. Als ihre Verfolger die Notaufnahme stürmen und David und Heather auf einmal gemeinsam um ihr Leben rennen, ahnen sie noch nicht, welche Enthüllungen noch auf sie warten.
Und eines kann ich schon mal verraten:Ihr werdet nach dem Lesen den Nachthimmel nie wieder so betrachten, wie ihr es jetzt vielleicht tut.
Bevor ich zum Positiven komme: Lieber Herr Marzi, das ist doch der bescheuerste Untertitel, den ich jemals gelesen habe! Klingt nach 08/15 Fantasy, das Wort "Fee" fällt zum ersten Mal nach gut 2/3 des Buches und die Feen wohnen weder in einer Stadt, noch haben oder wollen sie eine!
Nach diesem kleinen Wutausbruch bleibt ein ebenfalls fesselndes Buch, dass mich defintiv dazu angeregt hat, noch einmal Oliver Twist zu lesen. Und zwischendurch den Blick zum Himmel zu erheben, in die Sterne zu blicken und daran zu denken, wie Liebesgeschichten zu enden pflegen.
"Nimmermehr"
Hier haben wir eine Kurzgeschichtensammlung, in der jeder seinen ganz eigenen Liebling entdecken wird."Scarlet" ist ein Puzzlestück in der Welt der Uralten Metropole, "Die lügenhafte Liebe der Lady Lynx" beschreibt mein Wesen so treffend, wie es kaum eine Geschichte je getan hat, aber "Nachtfahrt" (merkwürdige Geschichte mit viel grünem Schleim) verstörte mich eher, als mich zu fesseln...so wie es auch einige der anderen Geschichten. "Rauchzeichen" könnte in jeder Anti-Rauch Kampagne abgedruckt werden, ich als Nichtraucherin kann mir gut vorstellen, dass unsere rauchenden Mitmenschen die Geschichte nicht sehr gut gefallen wird und das "Remake" von Rotkäppchen kam mir vor, als hätte ich die Geschichte schon mehrfach gelesen. Nicht wirklich innovativ, leider.
Mit Kurzgeschichtensammlungen ist es wie mit Bertie Botts Bohnen in allen Geschmacksrichtungen: man probiert sie alle, aber schmecken tun nur einige.
Ich hoffe, dass ich mit diesem Artikel dem ein oder anderen Lust gemacht habe, mal in die Bücher hinein zu schnuppern.
Es lohnt sich!


Ich habe schon einmal von diesem Autor gehört gehabt, allerdings habe ich ihn komplett in die Fantasyriege à la Harry Potter sortiert und deswegen war er für mich gänzlich uninteressant. Nachdem ich das hier gelesen habe, werde ich mich in der Bücherei mal auf die Suche machen und 'Fabula' anlesen, falls es da ist.
AntwortenLöschenSehr schöner Post, bitte mehr davon! In der Zwischenzeit schaue ich mich weiter auf deinem Blog um...
Liebst, Anne (:
Klingt ganz gut, ist aber nicht so mein Genre.
AntwortenLöschenLG Celly von I date books