Bienvenue au jardin

Bienvenue au jardin
Hereinspaziert!

Samstag, 8. März 2014

Räuber in Deutschland- ein historischer Überblick:



Für andere Menschen ist es sicherleich etwas befremdlich, dass ich mich unglaublich für die deutschen Räuberbanden um 1800 herum interessiere.
Aber beim genaueren hinsehen wird klar- dieses Stück Geschichte, diese wilde Zeit, ist unglaublich spannend. Die Gerichtsverfahren änderten sich, die Menschen änderten sich- es war die Zeit der aufgeklärten Gedanken, des Krieges und dem Bewusstsein, dass auch die Menschen der Straße so etwas wie "Würde" haben.

Vielleicht habt ihr auch schon berühmte Namen wie Schinderhannes, Fetzer oder Schwarzer Peter gehört?

Hier ein kleiner historischer Überblick über die Räuberzeit - die Betonung liegt auf "klein". Ich bin keine Historikerin, die hier wissenschaftliche Arbeiten veröffentlichen möchte ;) 
In der nächsten Zeit werde ich auch einzelnen Personen vorstellen.


Nach den napoleonischen Kriegen litten die deutschen Gebiete unter einem ansteigenden Vagantentum. Das Elend des Krieges und die Missernte 1788 zwang viele Bauern ihre Höfe aufzugeben. Der darauffolgende Anstieg der Preise trieb auch Bürger und Handwerker auf die Straße, deren Geschäfte ruiniert wurden. 
Da jede Gemeinde [1] sich um ihre Armen kümmern musste und

zudem das Zunftwesen sie Arbeitssuche erschwerte, wurden viele Arme einfach vertrieben. Sie gesellten sich zu armen Juden, die zu der Zeit von vielen Menschen verachtet wurden, zu umherziehenden Zigeunern, Deserteuren, Krüppeln und Bettlern an, die damals in Scharen die Straßen bevölkerten. Man schätzt, dass damals etwa 10- 15 % der Bevölkerung ohne festen Wohnsitz waren.[2]  

Ohne Arbeit durfte man keinen Wohnsitz haben, ohne Wohnsitz keinen Pass, ohne Pass durfte man weder reisen, noch wohnen, noch heiraten, noch arbeiten- ein Teufelskreis.


Die Gesetze gegen die Vagabunden waren oft sehr streng. Da Prozesse sehr teuer waren, wurden die Vagabunden oft einfach vertrieben, bei wiederholter Festnahme gebrandmarkt oder hingerichtet[3]
 

Die Armut und die Ausgrenzung aus der Gesellschaft führten zu einer ansteigenden Kriminalität unter den Vagabunden. Diese Entwicklung wurde durch das soziale Stigma der "unehrlichen Leute ( uneheliche Kinder, Abdecker, Schäfer, Henker, Köhler....) noch verstärkt, da diese sich aufgrund ihrer abgelegenen Behausungen notgedrungen mit den Banditen arrangieren mussten. Weil die "unehrlichen Leute" kaum eine Chance hatten, ihre Situation zu verbessern, schlossen sie sich häufig den Räubern an, wie beispielsweise der berühmt- berüchtigte Schinderhannes, der Sohn eines Abdeckers war. 
Wer einmal auf der Straße lebte, hatte kaum eine Chance, sich auf ehrliche Weise ernähren zu können.


Die Kriminellen unterschieden sich vor allem durch ihre Art zu arbeiten[4]


Die einen arbeiteten alleine, stahlen beispielsweise auf Märkten  oder übten andere Formen von Kleinkriminalität aus, um sich und ihre Familien durchzubringen.

Die anderen formierten sich in Banden, die man wiederrum in zwei Gruppen unterteilen kann[5]:

Banden, die immer zusammenblieben, feste Mitglieder hatten und normalerweise in einer bestimmten Gegend aktiv waren und Banden, die ohne festen Anführer und Mitglieder sich immer wieder zusammenschlossen und auflösten. Grade diese Art von Banden waren schwer zu überführen, da die Kooperation zwischen den verschiedenen deutschen Kleinstaaten und die Verwaltung damals doch nicht besonders effektiv arbeitete. 


Die Räuber entwickelten ihre eigene Kultur, ihre eigene Sprache ( die so gennante Jenische Sprache, die sich unter Anderem aus jiddischen Wörtern zusammensetzte), eine Zeichensprache (Bettelzinken) und eine Fingersprache, um sich unauffällig verständigen zu können. Sie schufen sich ihr eigenes soziales Netzwerk und sichere Plätze (Kochemer Bayes), in denen sie sich jederzeit vor ihren Verfolgern verbergen konnten.

Nachdem sich Napoleon 1804 zum Kaiser krönte, wurde die Verwaltung der deutschen Gebiete modernisiert, die eine effektivere Verfolgung der Räuberbanden ermöglichte. Des Weiteren wurde der Geldtransport in Postkutschen durch ein modernes Bankensystem ersetzt. Auch die Verhörmethoden änderten sich- linksrheinisch wurde jede Form der Folter verboten, was die Ermittler vor völlig neue Herausforderungen stellte.


Das Leben der Räuber wurde folglich immer gefährlicher und rentierte sich kaum mehr. Bis 1815 waren auch die letzten Banden aufgespürt und vernichtet.


[1] Pierer's Universal-Lexikon, Band 1. Altenburg 1857, S. 734-739
[2] Michail Krausnick, Von Räubern und Gendarmen, Arena, 1978, S. 92, im folgenden Michail Krausnick
[3] Patent des Schwäbischen Kreises, StA Stuttgart, A 38/15, Polizeiwesen, Patent des Schwäbischen Kreises v. 22.6.1734
[4] s.o.
[5] Michail Krausnick




4 Kommentare:

  1. Uh, ein Thema, mit dem ich mich noch NIE außeinander gesetzt habe. Ich glaube, in der Schule war sowas auch nie dran >-<
    Ich finde es schön, wenn du deine Interessen teilst. Das ist ein Teil deines Lebens, und um das solls hier ja schließlich gehen :p
    Ein kleiner Tipp, was mich beim Lesen etwas gestört hat: war das copy&paste? liest sich so. Lieber Große Zwischenüberschriften mit kurzen (ectl eigenen, umgangsspracxhlicheren) Kommentar, Durch "wissenschaftliche" Texte liest sich ja doch kaum einer.
    Die Personen, die du vorstellen willst, stell ich mir spannend vor.
    Ach so ein bad boy von damalas.... *schwärm* :D

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hi,
      danke für dein Feedback :)
      Es ist in der Tat ein Text, den ich nicht für diesen Blog geschrieben habe, es ist aber meine eigene, semi-wissenschaftliche Arbeit. Klingt aber wirklich etwas holperig, weil ich ihn ursprünglich nicht auf deutsch geschrieben hab. Ich werd wohl nochmal durchgehen :)

      Löschen
  2. Wow, krass... Die armen Menschen!!! Das: " Da jede Gemeinde [1] sich um ihre Armen kümmern musste und zudem das Zunftwesen sie Arbeitssuche erschwerte, wurden viele Arme einfach vertrieben." klingt total widersprüchlich!! Kümmern heißt nicht kümmern wollen und deswegen vertreiben?? Ajajaj, voll asozial... Läuft heute ähnlich - Ausgrenzung - Erschwerung der Rückkehr in die Gesellschaft (ein Freund von mir hat einen Schufa-Eintrag und darf nicht mal einen Handy-Vetrag abschließen!) - wenn es blöd läuft, Kriminalität - folgt Augrenzung. Ein Teufelskreis!!
    lg
    Esra

    http://nachgesternistvormorgen.de/

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Genau so lief es leider. Je weniger Arme, desto weniger musste man sich um sie kümmern..

      Löschen